Fachbeitrag

Solo oder Großraum: Positive und negative Effekte der Büro-Typen

Von gaerner.ch · 2019

Die Zahl der Büroarbeitsplätze steigt kontinuierlich. Auf rund 75.000 Stunden addiert sich die Anzahl der Stunden, die in einem Büro-Arbeitsleben am Schreibtisch verbracht wird. Das sind achteinhalb Lebensjahre, nonstop.

Wie sich der Office-Job auf die Gesundheit und das psychische Wohlbefinden auswirkt, hängt dabei stark vom Typus des Büros ab. Zufriedenheitsstudien und Studien zur Gesundheit am Arbeitsplatz attestieren dem Großraumbüro fast einhellig schlechte Noten - gleichzeitig wächst deren Anzahl jedoch. Sind Einzelbüros besser? Auch für die Produktivität des einzelnen Mitarbeiters? Beide Formen haben Vor- und Nachteile. Und welche Lösungen bieten sich alternativ an?

Großraumbüros: Revolutionäre Erfindung aus den 60er Jahren

Der Begriff Großraumbüro assoziiert hallenähnliche Räume, in denen Schreibtische in langen Reihen neben- und hintereinander aufgestellt sind. Diese Vorstellung entspricht durchaus der gängigen Definition, nach der Großraumbüros mindestens 400 Quadratmeter Fläche vorhalten und Arbeitsplätze für 20 Angestellte bieten müssen. "Erfunden" wurden sie in den 60er Jahren als Massenbüros mit zunächst asymmetrisch angeordneten Schreibtischen - bevor kurze Zeit später amerikanische Designer mit Hilfe von Trennwänden jene uniformen Boxen daraus machten, die noch heute in US-Spielfilmen gerne als Kulisse dienen. Die negativen physischen Folgen dieses Büro-Typus traten lange Zeit hinter den unmittelbaren Vorteilen dieser Organisationsform zurück.

Wir-Gefühl und Teamgeist im Großraumbüro

Größter Pluspunkt eines Großraumbüros ist zweifelsohne die unmittelbare Kommunikation untereinander. Nicht vorhandene Türen und kurze Wege ermöglichen einen problemlosen Austausch von Wissen und steigern das Teamgefühl. Fragen können vielfach von Kollegen einfach beantwortet werden, neue Mitarbeiter finden sich schneller in Strukturen ein und der
Prozess der Ideenfindung wird im Team effektiver gestaltet. Jeder Angestellte ist über das Unternehmensgeschehen informiert, Abstimmungen und Beschlüsse können fix erledigt werden. Vor allem aber spart ein Großraumbüro erhebliche Kosten für Flächenunterhalt und Miete, weil der Platzbedarf je Mitarbeiter deutlich kleiner ist als bei Einzelbüros. Auch lassen sich Arbeitsplatzwechsel schneller und unkomplizierter bewerkstelligen.

Die Kehrseite: Psychischer Stress und physische Belastungen

Den positiven Seiten eines Großraumbüros stehen handfeste Negativpunkte gegenüber. Eine schlechte Luftqualität und mangelndes Tageslicht für die Mitarbeiter im inneren Teil des Schreibtischgefüges sind nur der augenfälligste Nachteil. Unabhängige Studien haben mehrfach nachgewiesen, dass der Krankenstand in Großraumbüros deutlich höher liegt als in anderen Betriebsformen - auch weil sich Viren und Bakterien hier sehr "effektiv" ausbreiten können.
Fast schwerer wiegen allerdings die steten Belastungen durch einen (unvermeidlich) hohen Lärmpegel und sozialen Stress. Mangelnde Privatheit und das Gefühl, ständig beobachtet zu werden, setzen viele Angestellte einem psychischen Dauerstress aus, der auf das Gemüt drückt und die Produktivität schmälert. Ständige Konflikte über alltägliche Kleinigkeiten (Heizung ein- oder ausschalten, Fenster öffnen oder geschlossen halten) fördern Unmut und Unzufriedenheit.

Konzentriertes Arbeiten in der Privatheit eines Einzelbüros

In einem Einzelbüro kann der jeweilige Angestellte dagegen die Rahmenbedingungen nach seinen Vorlieben gestalten. Das beginnt bei der Raumtemperatur, reicht über die Frischluftzufuhr und die Intensität der Beleuchtung bis hin zur Ausgestaltung seines Arbeitsplatzes mit persönlichen Dingen. Ein Einzelbüro fördert nachweislich das konzentrierte Arbeiten, weil Störfaktoren wie klappernde Tastaturen oder Kollegentelefonate und -gespräche ausgeblendet sind. Die Privatsphäre bleibt gewahrt und ermöglicht beispielsweise auch Telefonate mit vertraulichem Charakter.

Nachteil: Isolation vom allgemeinen Büroleben

Der größte Vorteil eines Einzelbüros ist hingegen auch sein größter Nachteil: Das abgeschirmte Arbeiten isoliert vom allgemeinen Bürogeschehen. Die räumliche Trennung verhindert eine regelmäßige, selbstverständliche Kommunikation. Die Teilhabe am Büroleben muss initiativ in die Wege geleitet werden. Teamwork wird durch die separierte Räumlichkeit eher gehemmt oder gar verhindert. Einzelbüro sind für Arbeitgeber überdies unverhältnismäßig kostenintensiv. Nicht umsonst bleiben die eigenen Büros zumeist nur der Führungsetage vorbehalten.

Großraum neu gedacht: Mit strukturierten Mitarbeitergruppen und Ruhebereichen

Um Arbeitnehmern ihren Arbeitsalltag möglichst attraktiv zu gestalten, bieten sich einige Maßnahmen an, die die Negativfaktoren des Großraumbüros "entschärfen" können. Prinzipiell handelt es sich um technisch-organisatorische Innovationen und um Verhaltens-Regeln. Zu ersteren gehören eine gut geplante Beleuchtung, eine anpassungsfähige Klimaanlage und ein durchdachtes Akustik-Konzept mit schalldämpfenden Teppichen und schall- und sichtschützenden Grünpflanzen. Dazu zählen aber auch eine genaue Analyse der Arbeitsabläufe und eine entsprechende Gesamtgliederung des Großraumbüros: Mitarbeiter mit Konzentrationsaufgaben erhalten separate Bereiche ebenso wie Vertriebsangestellte, die häufig telefonieren. Abgetrennte Ruhebereiche und Sofaecken schmälern nicht die Flächen-, sondern erhöhen die Gesamt-Produktivität. Mitunter spielt die Einrichtung der Büros eine große Rolle, um den Angestellten eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu bieten. Egal ob Großraum- oder Einzelbüro: Der Faktor ansprechende Büromöbel sollte nicht unterschätzt werden. Zu diesem Punkt bietet gaerner genau das Richtige.

Verhaltenskodex für ein besseres Miteinander

Verhaltens-Regeln können die Grundorganisation eines Großraumbüros weiter optimieren. Ein "Bitte nicht stören"-Schild signalisiert verbindlich, dass ein Mitarbeiter gerade seine Ruhe benötigt. Für private Gespräche ohne Arbeitsbezug wird der Aufenthaltsraum oder ein anderer Ort gewählt, an dem niemand gestört wird. Führungskräfte sollten die Nutzung von Sofa- und Entspannungsecken niemals argwöhnisch beäugen, sondern als Regeneration von Arbeitskraft betrachten, die anschließend umso leistungsfähiger und -bereiter ist. Großraumbüros sind längst keine "modernen Arbeitslager" mehr - neu interpretiert mit Rückzugsinseln und Entspannungsecken können sie dem Büroalltag produktive Impulse verleihen.