Lebenslanges lernen

Lieber Wissen als Geld

Von Wiebke Fröhlich · 2015

Viele Schweizer Arbeitnehmer ziehen eine Weiterbildung einer Lohnerhöhung vor.

Um in der Arbeitswelt von morgen zu bestehen, braucht es lebenslanges Lernen. Nur wer auf dem neuesten Stand ist, hat dauerhaft gute Aussichten. Weiterbildungsmassnahmen haben Hochkonjunktur.

Mehr als die Hälfte der Schweizer Arbeitnehmer verzichten freiwillig auf eine Lohnerhöhung oder eine Beförderung, wenn sie stattdessen neue Fähigkeiten erlernen können. Das geht aus dem aktuellen Kelly Global Workforce Index hervor. An der Studie haben weltweit 230'000 Personen in 31 Ländern teilgenommen, davon 4'700 in der Schweiz.

Weiterbildung befördert die Karriere

Die Schweizer wissen ganz genau, was sie tun. Denn ständige Weiterbildung gilt seit langem als Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere. «Das Leben jedes Einzelnen ist von stetiger Veränderung geprägt, auf die es sich einzulassen gilt», meint auch Mauro Dell'Ambrogio, Staatssekretär für Bildung, Forschung und Innovation. Sein Motto lautet: «Weniger von der Schule als vielmehr vom Leben lernen wir.»
Obwohl Weiterbildung seit der Revision der Bildungsbestimmungen 2006 in der Bundesverfassung explizit erwähnt wird, werden entsprechende Kurse und Lehrgänge mehrheitlich von privaten Unternehmen angeboten. Das ist durchaus im Sinne des Gemeinwesens, meint die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren. «Dadurch werden flexible Angebote und eine hohe Marktnähe ermöglicht. Der Staat soll nur subsidiär auftreten.»

Massnahmen privat finanziert

Auch die Finanzierung der Bildungsmassnahmen ist weitgehend privat organisiert. Entweder zahlen die Teilnehmenden selbst, oft investieren Unternehmen in die Qualifikation ihrer Mitarbeiter. Der Staat bietet vor allem indirekte Unterstützung durch Steuervergünstigungen und Subventionen, teils gewähren die Kantone Darlehen und Stipendien.
Wie hoch die Ausgaben der öffentlichen Hand im Weiterbildungsbereich sind, weiss der Schweizerische Verband für Weiterbildung nicht. Bekannt sei hingegen, dass es für einen grossen Teil der Erwachsenen schwierig ist, ihre Weiterbildung zu finanzieren, kritisiert der Verband. Denn Arbeitgeber fördern vor allem gut qualifizierte Angestellte in gehobenen Positionen. «Damit ist die Chancengleichheit beim Zugang zur Weiterbildung nicht gewährleistet. Es besteht klarer Handlungsbedarf», kritisiert der Verband.