Integration und Inklusion

Flüchtlinge in der Landwirtschaft

Von Wiebke Fröhlich · 2015

In der Landwirtschaft werden Mitarbeiter gesucht. Die Beschäftigung von Geflüchteten wird nun speziell gefördert.

Kritiker werfen Geflüchteten regelmässig mangelnden Integrationswillen und Arbeitsmotivation vor.
Tatsächlich wollen die meisten arbeiten. Ein Pilotprojekt soll Geflüchtete nun in die Landwirtschaft bringen.

Die Schweiz gewährt jedes Jahr zwischen fünf- und sechstausend Menschen Schutz vor Krieg, Gewalt und Terror. Sie werden als Flüchtlinge anerkannt oder vorläufig aufgenommen. Im vergangenen Jahr waren es sogar 15'000. Der Direktor des Staatssekretariats für Migration, Mario Gattiker, sieht darin «ein beachtliches Potenzial» für den Arbeitsmarkt.
Tatsächlich geht in den ersten Jahren aber nur jeder Dritte Geflüchtete einer Arbeit nach. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zunächst macht das Schweitzer Recht aus der Jobsuche eine Art Hürdenlauf. So dürfen Asylsuchende in den ersten drei Monaten grundsätzlich nicht arbeiten; im Ausland erworbene Abschlüsse werden oft nicht anerkannt. Manchmal stehen zudem mangelnde Sprachkenntnisse und Vorurteile im Weg, erklärt Gattiker.

Integration kann gelingen

Dass Integration dennoch gelingen kann, zeigt der Gemüsebaubetrieb von Magret und Andreas Eschback in Füllinsdorf. Schon seit 20 Jahren stellen sie Flüchtlinge ein. Für die Eschbacks ist das «ein Beitrag an die Allgemeinheit». Doch Arbeitgeber wie Arbeitnehmer stehen vor Herausforderungen: «Bei einem Arbeitsantritt fällt in gewissen Kantonen sofort alle Unterstützung vom Staat weg, alles muss sofort durch den Lohn bestritten werden.»
Obwohl die hiesigen Agrarbetriebe auf bis zu 35'000 ausländische Arbeitskräfte pro Jahr angewiesen sind, beschäftigt die Landwirtschaft bisher kaum Geflüchtete. Nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative müsse das inländische Arbeitskräftepotenzial besser genutzt werden, meint der Schweizer Bauernverband. Er hat deshalb im Frühjahr 2015 mit Unterstützung des Staatssekretariats für Migration ein dreijähriges Pilotprojekt gestartet, in dessen Rahmen bisher zehn Betriebe Geflüchtete eingestellt haben. Im ersten Monat verdienen sie brutto 2'300 Franken, ab dem zweiten Arbeitsmonat den Mindestlohn. Um den administrativen Aufwand zu bewältigen, erhalten die Betriebe monatlich 200 Franken und pauschal weitere 200 Franken, falls die Arbeiter auf den Höfen wohnen und verpflegt werden.