Lernen

Unerlässliche Fortbildung

Von Wolfgang Zügel · 2016

Die Anforderungen an die Mitarbeiter in der Arbeitswelt werden immer komplexer. Um im Alltag bestehen zu können, wird lebenslanges Lernen zur Pflicht. Der Staat und die Wirtschaft helfen und sind zu einer Unterstützung bereit.

Schule, Berufsbildung oder gar Hochschulabschluss und dann ab in das Berufsleben, das war einmal. Eine grundsolide Ausbildung ist zwar eine notwenige Voraussetzung für ein erfolgreiches Berufsleben, aber keine hinreichende. Lebenslanges Lernen ist gefragt, die Weiterbildung gewinnt zunehmend an Bedeutung. 
Folgerichtig wurde Weiterbildung als Sozialziel in der Bundesverfassung verankert. Allerdings haben Sozialziele keinen verpflichteten Charakter. Deshalb trat im vergangenen Jahr das Weiterbildungsgesetz in Kraft. Hier tritt der Staat unabhängig von einzelnen Branchen und Berufen als Akteur auf. Das Rahmengesetz definiert erstmals den gesamten Weiterbildungsbereich und legt dafür Grundsätze fest. Es richtet sich an Anbieter, aber auch an Einzelne, denn es soll lebenslanges Lernen im Bildungsraum Schweiz stärken.

Branchenspezifische Ansätze

Erfahrungen in Deutschland und Frankreich zeigen indes, dass ein gesetzlich verankertes Recht auf Weiterbildung in der Praxis kaum durchzusetzen ist. Überzeugender sind branchenspezifische Ansätze, die Anreize und gute Rahmenbedingungen für die Weiterbildung schaffen, wie dies beispielsweise der Schweizerische Baumeisterverband mit dem Pilotprojekt «Deutsch auf der Baustelle» realisiert hat. In Kooperation mit dem paritätischen Fonds erhalten Bauarbeiter für den Besuch von Deutschkursen eine Lohnentschädigung, und zwar auch dann, wenn der Kurs in der Freizeit stattfindet.
Auch Staat und Wirtschaft haben gute Gründe, lebenslanges Lernen nicht nur zu fordern, sondern auch zu fördern. Zunehmende Mobilität und internationale Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt sind Herausforderungen, die nur mit einer lernfähigen und lernwilligen Gesellschaft zu bewältigen sind. Es ist kaum zu vermeiden, dass dabei gesellschaftlicher Druck auf die Menschen ausgeübt wird, lebenslang lernfähig zu bleiben. So ist davon auszugehen, dass sich der Trend in Richtung Weiterbildungspflicht fortsetzt.
Eine Notwendigkeit zur Weiterbildung ergibt auch sich aus dem Fachkräftemangel. Ein Ausweg könnte sein, ältere Arbeitnehmer zu reaktivieren. Sie sind berufserfahren, aber ihre Kompetenzen sind teilweise veraltet. Hier setzt der Bildungsträger Informa an: Er ermöglicht es solchen Fachkräften, sich höher oder anders zu qualifizieren.