Rekrutierung

Der Kampf um Talente wird härter

Von Michael Gneuss · 2017

Die Mitarbeiter suchen sich das Unternehmen aus und nicht mehr umgekehrt.

Die Rekrutierung von Mitarbeitenden und die Bindung der Fachkräfte an das Unternehmen wird immer mehr zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb.

Klassischerweise gilt ein Unternehmen dann als erfolgreich, wenn es treue Kunden hat, mit denen hohe Umsätze erzielt werden können. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Doch immer mehr Unternehmern wird bewusst: Der Engpass sind oft nicht mehr die Kunden, sondern die Mitarbeiter. Wer nicht genügend und nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeitende findet, kann sehr schnell nicht mehr alle Kundenwünsche befriedigen – es fehlen die Wachstums­potenziale.

Im Zuge der demografischen Entwicklung und der – durch Digitalisierung und Globalisierung – steigenden Anforderungen an das Personal wird es für Unternehmen immer schwieriger, das geeignete Personal zu finden. Tendenz: Die Mitarbeiter suchen sich das Unternehmen aus und nicht mehr das Unternehmen die Mitarbeitenden.

Für die Firmen geht es ausserdem nicht nur um das Finden von Personal, sondern auch um das Binden. Nach einer Studie des Personaldienstleisters Robert Half verzeichneten 60 von 100 Schweizer Personalmanagern in den letzten drei Jahren einen Anstieg der Mitarbeiterwechsel.

Die Personalverantwortlichen sind sich der Entwicklung bewusst und suchen nach Massnahmen, um den härter werdenden Kampf um Talente gewinnen zu können. Dabei gewinnt das Employer Branding immer mehr an Bedeutung. Der US-Internet-Konzern Google gilt als Vorreiter, der früh daran gefeilt hat, sich auch als Arbeitgeber-Marke zu positionieren. Bei einer Umfrage der Unternehmensberatung Universum unter Schweizer Studenten zeigte sich: In fast allen Fachrichtungen gilt Google als der beliebtester Arbeitgeber.

Unternehmen, die die neuen Spielregeln auf dem Arbeitsmarkt nicht beherrschen, können schnell abgehängt werden. Die Talente wollen zu den erfolgreichen Unternehmen. Erfolgreich wird ein Unternehmen dauerhaft aber nur sein, wenn es an Talente kommt. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer würde heute nicht mehr zu einer schwachen Arbeitgebermarke wechseln, hat das Portal LinkedIn in einer Studie herausgefunden, die Ende 2015 veröffentlicht wurde. Weitere 21 Prozent können sich den Wechsel zu einer schwachen Arbeitgebermarke zwar vorstellen, jedoch würden sie sich die geringere Reputation mit einem Gehaltsaufschlag von mindestens zehn Prozent bezahlen lassen. Fazit der Studie: Der Verzicht auf ein Employer Branding kann teuer werden. Für Unternehmen wird die Frage, was einen guten Arbeitgeber ausmacht, damit zu einem relevanteren Faktor im Wettbewerb.